====== Tag 12 ====== **79mi @ 7.5h** * Die Nacht hat es lautstark geregnet, midnestens 50'000 hungrige Kater/zen haben den Mülleimer 25m von meinem Zelt weg durchwühlt und so richtig geschlafen hab ich irgendwie nicht. Gegen 9 hab ich mich dann aus dem SSack gequaelt und mich langsam in Bewegung gesetzt. * Den ganzen Tag über war es bewoelkt mit gelegentlichen Tropfen, wenn die Luftfeuchtigkeit nicht so abartig gewesen waehre hätte es direkt angenehm sein koennen. So richtig vorwärts gekommen bin ich auch nicht, es gab zwar nur wenige bösartige Huegel aber auch die nicht so böartigen haben gereicht um mich kräftig auszubremsen * Kurz vor meinem geplanten Ziel hab ich mir dann zu Abwechslung ein paar Eier gekauft, es gab 12er und 18er Packs - "mal schauen was ich mit 12 Eiern so anfangen kann". Der State Park zu dem ich wollte hatte geschlossen ( what the hell? ) und irgendwie gabs da auch gar nix zum Zelten, aber ein paar Meilen weiter mitten im Nirgendwo gab es noch so ein komisches Fisch-Camp mit Zeltmöglichkeit. War zwar völlig verlassen, aber man konnte Duschen & Zelten. Mittlerweile hatte es auch wieder angefangen stark zu regnen, also hab ich mit dem Kocher in der Tuer zuerst Eier und dann Nudeln in Ei-Sosse gekocht. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_056.jpg|}} ====== Tag 13 ====== **67mi @ 6.5h** * Der Tag fing komisch an - zunaechst damit dass ich recht frueh zu strömendem Regen aufgewacht bin. Nachdem ich dann meinen ganzen Kram verpackt hatte bin ich losgezogen und kurze Zeit spaeter hat der Regen aufgehoert - tolles Timing. * Es sollte aber noch lustiger werden: Zunaechst ging es ueber eine Bergkette, das liess sich durch die sanften Anstiege aber gut fahren. Bei der Abfahrt wurde es dann immer kaelter und unangenehmer, ich dachte mir aber nicht weiter dabei und hoffte auf wärmeres Wetter im nächsten Tal. * In Damascus am Rand der Bergkette hab ich halbherzig nach einem Campingplatz gesucht, allerdings war ich ja kaum vorran gekommen und hab mir daher gedacht "Lächle und sei froh...." und bin weitergefahren. * Wer hätte das Gedacht - es kam schlimmer: erst fing es an zu regnen, der Regen wurde dann eisig und schliesslich zu Schnee - was für ein Spass. Gleichzeitig war ich irgendwo in der Pampa zwischen Buxtehude* und Nirgendwo und meine besten Hoffnungen auf ein Motel oder sowas waren in der Gegend in die ich sowieso wollte, 30 Meilen weiter.. * Ich hab den Schnee also irgendwie ausgehalten (in Funktionsunterhemd, Radtrikot und Goretex-Jacke) und bin weiergeeiert, kurz verfahren hab ich mich auch noch, das ist mir aber zum Glueck nahc 1-2 Meilen aufgefallen. * Dabei war ich recht fix unterwegs - klingt komisch, ist aber so. Den Grund moechte ich hier mal kurz mit Panik-Modus umschreiben, haben die meisten Leute sicher schonmal erlebt, meist bei Schlafmangel: Der Koerper faengt in Phasen akuten Stresses an unwichtige Dinge herunterzufahren und durchblutet nur noch ausgesuchte Bereiche, die aber dafuer besser. Ohne das jetzt konkret ausprobiert zu haben wuerde ich den Effekt beim Radfahren als eine Mischung aus Restalkohol und Testosterondoping beschreiben - man bekommt zwar kaum was von der Umwelt mit, grossartig Denken kann man auch nicht mehr aber man hat unglaubliche Kraftreserven. * Nach 10-20 Meilen im Schnee wurde es wieder bergiger und der Schnee fing an auf der Strasse liegen zu bleiben. Zusammen mit meinen nahezu gefuehlslosen Haenden wurde mir das dann doch langsam gefaehrlich. Da auch der Adrenalin Zauber langsam nicht mehr wirkte bin ich dann den erstbesten kleinen Weg, der nicht mit "No Trespassing" Schildern zugepflastert war, von der Strasse abgebogen und hab mich auf einer kleinen Wiese an einem Fluss (sah aus wie eine Boot-Landestelle) niedergelassen. Oder auch "irgendwie hingebastelt" - es sah sicher recht witzig aus wie ich versucht habe mit meinen zerfrorenen Haenden mein Zelt in Rekordtempo aufzubauen. Nachdem es dann endlich stand hab ich mich erstmal 2h in den Schlafsack gelegt bis ich langsam nicht mehr gezittert habe * Danach hab ich im Vorzelt ne Dose Nudeln warmgemacht (und dabei auch eindeutig festgestellt, dass Benzin dafuer ungeeignet ist - nicht wegen dem warm machen sondern wegen dem "im Vorzelt" ) und mich mehr oder weniger als Satt schlafen gelegt. * An dem Abend war mir wieder richtig mulmig zumute, der Fluss war gleich neben mir, d.h. richtig viel Wasser durfte nicht vom Himmel kommen und ich war in den Bergen mittem im Nirgendwo das Wetter durfte also auch nicht so bleiben. * Glueck hatte ich aber auch wieder gehabt - mein Zelt stand mehr oder weniger zufaellig in richtung des immer staerker werdenden Windes, haette ich es quer dazu aufgebaut haette das Ganze nicht zwingend gut gehen müssen (Tunnelzelte sind nicht dafuer designt quer zum Wind zu stehen, Anmk.d.Red.) //* Buxtehude ist eine ganz schlechte Analogie, denn das liegt bekanntlich im Flachland, in der Gegend war es aber nahezu nirgends flach. Wild zelten fiel also nicht nur deshalb aus, weil ich angst hatte von Amerikanern mit Schrotflinten verjagt zu werden// ====== Tag 14 ====== **58mi @ 6.5h** * Nachdem ich wieder halbwegs warm geworden war hab ich ganz gut geschlafen und bin gegen 7 zu kalten um bewölktem Wetter aufgewacht. Gegen 8 hab ich mich dann aufgerafft und in meine Sachen gequaelt. Damit ich mir nich noch etwas bösartiges zuziehe habe ich so ziemlich alles angezogen was ich mithatte das war dann halbwegs warm. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_058.jpg|}} * Dabei sei angemerkt: Wenn man soweit ist, dass man alle seine Klamotten anhat ist eigentlich schon was falsch gelaufen, <eigentlich> sollte man immer einen Satzt trockener Sachen uebrig haben denn sonst kann es passieren das man kalt und gar nicht wieder warum wird. Das nur so nebenbei, wenn das Wetter nicht mitspielt muss man die Theorie eben aus dem Fenster werfen. * Die Fahrt ging gleich wieder bergig los was natürlich doof war - es wahr recht steil, meine Muskeln waren vom Adrenalin-basierenden geheize des letzten Tages noch völlig kaputt und schwitzen wollte ich möglichst ueberhaupt nicht um meine nicht-Radfahr-Sachen nicht zu versauen. Also bin ich in der Gegend rumgeschlichen und hab mich dabei so nach und nach entkleidet. Teilweise lag auch noch Schnee auf der Strecke rum, das war aber nicht so wild da ich auch bergab nur geschlichen bin um nicht zu viel zu frieren. {{:reiseblog:2007_usa:dias:dia_usa_059.jpg|}} * Mit der Zeit wurde das Wetter dann angenehmer und auch die Strecke ging durch mehrere lange Täler in denen ich mich etwas erholen konnte. Vorwärts kam ich auch dort nicht, aber das lag wie schon gesagt an dem vorherigen Tag (oder sollte ich sagen: "das war Aufgrund des vorrangegangenden Tages?") * Als ich meinem Ziel schon so langsam näher kam, hat mir ein Ami angeboten mir einen Teil meines Gepäcks mitzunehmen - das fand ich sehr lieb, aber natuerlich auch unrealistisch. Ich hab dann auch schnell festgestellt warum er das gemacht hat, denn zu meinem Ziel "Breaks Interstate Park" ging es nochmal kraeftig nach oben. * Im Gegensatzt zu dem Interstate-Park-dingens 2/3 Tage vorher lag dieser aber nicht an einer Interstate sondern zwischen zwei Staaten und war ein richtig schöner State Park - so mit drei Meilen vom Eingang zum Zeltplatz und allem. Der Zeltplatz lag auch nicht einfach an der Grenze zu //irgendeinem// Bundesstaat sondern zu **Kentucky**. Und der Platzwart hat mir gleich einen Vorgeschmack auf die nächsten Tage gegeben. ''Hä? Was hat er jetzt gesagt? War das Englisch? Egal, einfach ein paar Geldscheine hinhalten und über das Wetter reden.. Vielleicht bin ich ja zu weit nach Süden abgekommen?...'' * Das Wetter war im Laufe des Tages richtig gut geworden, das hab ich dazu genutzt mich nochmal an meinem Vorderrad zu versuchen, der Erfolg war mal wieder eher mässig. * In wager Hoffnung auf Internet bin ich am Abend noch zum "Visitor Center" gelaufen (20 Minuten eine Strecke), da war aber nix. Ist inzwischen vermutlich ein ueberholtes Stück Information denn jetzt steht der Reisebericht ja bis zu diesem Tag im Internet, aber ich dachte mal ich erwähne es trotzdem.


2014/03/18 17:43