2008: 4daagse in Nijmegen

Tag -1

- Ich bin frueh um halb 6 aufgestanden um mal wieder zu einer extrafrühen Zugfahrt aufzubrechen. - Es ging von Flensburg nach Neumuenster, von Neumuenster nach Hamburg, von Hamburg nach Osnabrueck, von Osnabrueck nach Deventer(NL) und von Deventer letztendlich nach Nijmegen. - Dort war so'n bissl chaos.. dausende von Leuten rannten da in der Gegend rum und so jetzt auch ich. - Nach gerade mal 45 Minuten oder so anstehen habe ich im Fremdenverkehrsbuero einen “Blarepass” fuers Bussfahren bekommen - so ne Art 4TagesMarsch-Ticket - und nach ner Weile rumsuchen konnte ich mich auch schon fuer den Start registrieren. Dort habe ich auch gleich erfahren, dass es schon keine Karten mehr fuer die Abendliche Flaggenparade gibt.. [wtf? wann soll ich denn noch losfahren] - Irgendwie habe ich dann auch den richtigen Bus gefunden und bin zu meiner Gastfamilie gefahren. Dort wurde ich freundlich begruesst [weiteres sentimentales Geschwafel wegrationalisiert] und bin dann wieder losgezogen. - In der Stadt musste ich dann einsehen, dass meine Erwartungshaltung vom 4daagse in gewissen Details nicht 100% korrekt war. Oder einfacher gesagt: Ich hab da was voellig anderes erwartet. Jedenfalls nicht an die 10 durch die innenstadt verteilte Buehnen mit Lifemusik von Altmodisch bis Neumodisch. Und auch nicht den einhergehenden Trubel ob nun an der Anzahl der Besucher oder der Anzahl der Marktstaende gemessen. - Ich hab mir das alles mal angesehen, gerade “Matrixx in the Park” war eine Zeitlang richtig gut, bin dann aber wieder abgezogen weil müde.

Tag 0

- Montag hing ich vor allem in der Stadt rum, bissl durch die Laeden und ueber die Maerkte tingeln und so.. nix ernstes

Tag 1

- Gegen 0250 wurde es ernst: Mein Handy klingelte. Und zwar nicht aus Spass sondern um mich darauf hinzuweisen, dass ich aufstehen muss. Hab ich denn auch gemacht und so, hab mir war zu essen eingeschoben, meinen Kram gepackt und bin losgezogen. - Ein bissl laufen, Busfahren und wieder laufen spaeter war ich dann gegen 0355 am Start und wurde dort mal wieder von Chaos erwartet. Von den insgesamt 40'000 Startern (in Worten: Vierzigtausend) sind vermutlich diverse tausend die 4*50 gelaufen und die muessen sich erst einmal in Bewegung setzen. - Das dauert, noch dazu wenn jeder 'nen Barcode dabei hat, den er am Starttor scannen lassen muss. Es gab zwar 4 von der Sorte (Starttore) aber gedauert hat der ganze spass trotzdem. - Gegen 0425 war ich dann endlich unterwegs und konnte fleissig laufen. Bzw. mich langsam nach vorne arbeiten, denn das lief sich extrem zaehfluessig. - Schon um die Uhrzeit viel aber auf, was fuer ein Volksfest, der 4TagesMarsch in der Gegend ist. Die Leute standen echt schon um 4 am Strassenrand, hatten ihre Wohnzimmerboxen in den Garten gestellt und haben Musik gespielt. Oder Standen einfach nur da und haben uns zugejubelt, witzig wars allemal. - Trotzdem war der Tag ziemlich langweilig.. wandern, ueberholen, wandern.. Viel mit Leuten erzaehlt habe ich nicht. Englisch reden wollte/konnte irgendwie keiner bei dem ich es probiert habe und die Deutschen Marschierer warne quasi alle (Ex-)Bundeswehr, da war ich denn auch grad nicht so scharf drauf. - Gab aber trotzdem ein paar coole Momente, vor allem die militaerischen Marschgruppen hatten teilweise richtig gute lieder drauf. - Irgendwie gingen die 50km dann vorbei und gegen 1300 war ich am Ziel. Und das wars auch fuer den Tag. Ich hab noch was zu essen gekocht (Ei mit Tomate und Schinken) und hab dann geschlafen.

Tag 2

- Kam ein bischen ploetzlich, weil ich eigentlich erwartet hatte am Abend des 2.Tages nochmal aufzuwachen - Liess sich denn aber nicht aendern und ich musste denn halt etwas hektisch mein Zeug zusammen sammeln. Das hat sich denn leider geraecht denn dadurch ist mir entgangen wie schlecht es eigentlich um meinen linken kleinen Fusszeh bestellt war und er hat es mir gedankt indem er sich dann waehrend des Marsches recht boesartig gemeldet hat. Ich hab denn nochmal was draufgeklebt, aber das Kind war quasi in den Brunnen gefallen und der Zeh um ein ganzes Stueck oberste Hautschicht aermer. Mist. - Von da an war dann quasi der Spassfaktor eher gering, da das doch ganz schoen geschmerzt hat. - An dem Tag wurde es auch langsam feucht, kein richtgiger Regen aber auch nicht trocken. Die Leute am Strassenrand hat das aber nicht ferngehalten, u.a. stand diesmal auch ein dt. Heeresmusikkorps in einem Zelt am Strassenrand und hat Musik gespielt

Tag 3

- Ging das gelatsche dann weiter. Meinem Zeh ging es natuerlich nicht besser, aber auch nicht wesenltich schlechter. ALso hiess es “froehlich weiterlaufen”. Ich hab auch oefter mit Leuten gerdedet, meistens mit Deutschen (und damit quasi automatisch Soldten oder Exsoldaten) aber auch mal mit Niederlandern oder Daenen - Das ganze genauer zu beschreiben werde ich mir wieder sparen, wer wissen will wie sich das anfuehlt darf gerne selbst laufen, so teuer ist das Schliesslich nicht. Es war wieder einiges los am Strassenrand und die 50km zogen sich wieder ziemlich lange hin. Wie auch am Tag zuvor kam ich aber frueher weg und war schneller, dadurch blieb ich weiter vorne wo “relativ” wenig Leute liefen und man auch mal ein bischen Platz fuer sich hatte.

- Dabei laeuft das jeden Tag so, dass die 50km Laeufer zuerst loslaufen, danach die 40er in zwei grossen Gruppen und am Ende die 30er. Als 50er hat man also zuerst ziemlichen Trubel, dann verlaeuft sich das langsam und wenn man wieder auf die 40er Strecke und spaeter die 30er Strecke trifft wird es wieder voll auf der Strecke. Es sei denn man ist halt schnell genug auch da dem grossen Feld davonzulaufen. Wobei schnell jetzt nicht unbedingt auch schnell ist. Es gibt halt nur ziemlich viele Leute die da eher langsam laufen, was ich nicht ab kann, weil dann die 50km ja nie aufhoeren - machen sie so ja schon kaum.

- Der Abend war auch nicht mehr so richtig witzig, da mir inzwischen auch beide Fussgelenke weh taten und ich selbst ohne Schuhe gar nicht mehr schmerzfrei auftreten konnte. Und auch nicht mehr Schmerzfrei rumliegen. Und damit kaum Schlafen.

Tag 4

- Der finale Wandertag: So richtig gehen konnte ich eigentlich nicht mehr und selbst warmgelaufen war das immer noch ein ziemlich schmerzhaftes gehumpel. Allerdings gehumpel auf hohem Niveau, so to speak, denn meine Beine fuehlten sich nach wie vor sehr gut an. Allerdings wollte der Rest langsam nicht mehr und ich landete in dem Loch das ich eher am 2. oder 3. Marschtag erwartet hatte: Hunger, aber kein Appetit, dauernd Durst, dauern beim Pinkeln, der Kopf kommt nicht von den Fuessen weg (!nicht woertlich sehen!) usw. Gerade um die Haelfte herum bin ich eigentlich nur aus prinzip weitergelaufen (was sollte ich auch sonst machen?) - Laufen ist da ja aber zum Glueck nix gefaehrliches, das kann man auch mal ohne ausreichend Naehrstoffe. Eine Zeitlang bin ich mit fortschreitendem Tunnelblick dahinmarschiert aber mit der Zeit habe ich das wieder in den Griff bekommen indem ich mir alle reingezwungen habe was es denn so am Wegesrand gab (fuer Geld oder auch fuer Nix) - Stunde um Stunde arbeitete ich mich dann bis zu den finalen 15 Kilometern vor. Und die sind schon ziemlich einmalig. Ich war zwar zu frueh fuer die ganz grosse Party, aber da war trotzdem schon genug los. Haufenweise Kapellen (Irgendeine Militaerkapelle hat den JAG-Titelsong gespielt, das war krass!) und Leute und Luftballons usw.. bissl wie Fasching, nur ohne Kostueme. Vor dem Krankenhaus Nijmegen hatten sie in einem Zelt Leute in Krankenbetten postiert, damit die sich die Laeufer anschauen koennen. Ohne Kommentar!

- Ich hatte fur die letzen Kilometer eine Zigarre dabei was sich als richtig gute Idee erwies. Zum einen sorgte es fuer einige Lacher und zum anderen nahm es den Schmerz ein bischen weg. Win-Win quasi.

- Und damit hatte ich es geschafft und gezeigt: 4*50km sind auch fuer den leidlich trainierten Marinesoldaten zu schaffen, nur weh tun tut es halt tun.

Tag 5

- Und damit springen wir zum Rueckreisetag: ich bin um 0730 in den Zug gestiegen und war bis 1445 unterwegs. Alle Zuege waren recht voll, aber einen Sitzplatz habe ich mir jedesmal erduselt und konnte damit meine Doppel-DVD El Mariachi / Desperados anschauen. Kann ich jedem nur empfehlen, den ersten fand ich sogar besser als den zweiten.


2014/03/18 17:44