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====== Tag 26 - 04.28.07 (glaubich)====== **250Mi @ 16h** ''Ich hab mein Tagebuch gerade nicht dabei, aber vielleicht schaff ich die 3 Tage aus dem Kopf'' * Ich fang mal gestern an: Henriette hat mich lieberweise nach Kansas City gefahren, weil ich dort heute mein 400km Brevet für die Paris-Brest geschichte will/muss. Dort im Motel war sogar noch der Organisator des Brevets (und ein paar Mitfahrer, die waren dort wegen einer Besprechung zum Thema wie nach Paris kommen und so..) und ich konnte mich gleich registrieren. Danach hab ich kurz gepackt und wollte dann nur noch zur nächsten Tankstelle laufen um was zu trinken zu kaufen. Wurde natürlich nichts - auf dem Motel-Parkplatz haben mich ein paar der anderen Radfahrer aufgegabelt und wir sind zusammen was Essen gefahren, ich hatte zwar schon was gegessen, aber <whatever>. Wir haben uns eine ganze Weile gut unterhalten, waren dann noch kurz einkaufen und dann ging es zurück. Eh ich mein Zeug für das Brevet vorbereitet hatte wurde es aber nach Mitternacht. * Soviel zur Vorgeschichte. Ihr ahnt es vielleicht schon, dass wird ein langer Tag. Um 4 bin ich dann wieder aufgestanden, weil ich noch ein paar Meter zum Start zu fahren hatte. Beim durchfahren des erstbesten Schlaglochs hat sich dann auch mein Licht, dass ich nach der Gabelgeschichte repariert zu haben glaubte, wieder verabschiedet (macht der Satz Sinn?). Zum Glück hatte ich in St.Charles zur Sicherheit noch ein Batterie-Licht gekauft - so'n Dioden Dingens hält zwar keinen Vergleich zu einem Nabendynamo-Halogenlicht aus, aber immerhin besser als nichts.\\ ''Verdammt ich schweife schon wieder ab - soll ja eigentlich kein 100 Seiten Aufsatz werden hier.'' * Um 5 ging dann der ganze Spass los, also haben wir uns locker in Bewegung gesetzt. Teilgenommen haben so 20/30 Mann, einige wahren USA-typisch belichtert wie blinkende Weihnachtsbäume - sehr nervig. Sehr lange waren wir aber nicht im Dunkeln unterwegs, nach ner Stunde oder so die wir im Wesentlichen in greater Kansas City rumhingen wurde es langsam hell. * Jetzt muss ich aber wieder etwas weiter ausholen - typischerweise fährt man so ein Brevet mit einem halbwegs flotten Rad - wenn man dass nicht will oder keins hat kann man sich schonmal auf eine sehr lange fahrt gefasst machen. Genau das hatte ich getan, denn mein Reiserad ist mindestens doppelt so schwer wie mein Rennrad und überhaupt nicht zum schnell fahren designt. Ich rechnete also mit mindestens 20 Stunden fahrt, die ich gerne in einer lockeren Gruppe verbringen wollte, damit ich den Weg nicht selbst suchen muss. * Soviel schonmal zur Theorie - sie hat mich natürlich auch diesmal im Stich gelassen: Schon nach ein paar Meilen zerfiel die Gruppe aus irgendeinem Grund und plötzlich wahren nur noch 4 Mann vorne - Russel (total krasser Fahrer, unterwegs mit Diabethes und Insulin / Carbon-Rad), August (auf Carbon/Alu Promenadenmischung), Jeff (Carbon) und Stefan, auf seinem Stahl-Monstrum. **Waah** * Ich will das jetzt nicht weiter haarklein aufdröseln - zurückfallen lassen wollte ich mich jedenfalls nicht, also hab ich mich kräftig gequält um mit den Jungs mithalten zu können. Da Jeff & Russel nach der Hälfte etwas abgebaut haben hat das auch irgendwie geklappt, auch wenn ich an einigen Hügeln ziemlich kämpfen musste. * Und um es noch kürzer zu machen: nach 16h fahrt kamen wir wieder am Start an, das war richtig gut, vor allem weil wir auch am Abend nur etwa ne Stunde im Dunkeln gefahren sind. * Ich hab dann nach ner Dusche noch mit August Pizza gegessen und danach versucht mein Zeug etwas zusammen zu packen bin aber dabei weggeklappt. ====== Tag 27 - 04.29.07 ====== **82Mi @ 9h** * Ich bin schon gegen 0800 aufgewacht und habe mich deutlich besser gefühlt als am Abend zuvor. Oder genauer: ich habe mich ganz gut gefühlt.. besser als am Abend zuvor hätte ich mich auch mit 'ner mittelschweren Grippe gefühlt. Zum Frühstück gab es im Motel Cornflakes und Bagles bis mir das Zeug zum Hals raus hing, lange gedauert hat das nicht Bagles sind einfach nur Süß/Bäh. Und warum bitte ist da dieses Sinnlose Loch drin? <file> Warum hat der Bagel dieses sinnlose Loch? Theorie 1: Der Bagel wurde von einem Jüdischen Bäcker in Wien erfunden als Dank an den Sieg des Polnischen Königs über die Türken der besagte König war ein bekannter Pferdenarr und daher bekam das Gebäck die Form eines Hufeisens ("Beugal") oder Steigbügels. Theorie 2: Aufgrund von hygienevorschriften im Polen des 17.Jh durfte Gebäck nicht auf Tabletts gelagert werden, daher war das Loch nötig um die Bejgel (=was gebogenes) auf einen Stock zu lagern. Theorie 3: Die Spinnen die Polen. Und die Amis auch. Und jeder der bis hierhin gelesen hat sowieso! </file> * Ursprünglich hatte ich geplant den Tag im Motel zu verbringen, aber mir ging es ganz gut und daher wollte ich weder 50$ rauswerfen noch den ganzen Tag vorm Fernseher sitzen. Soll heißen: Ich habe meine Sachen gepackt und mich aufs Rad geschwungen. Danach hat es nur etwa 100m gedauert um zu erkennen was für eine doofe Idee das war, aber da war ich ja dann schon unterwegs und bin irgendwie weitergeschlichen. * Die Gegend war eher Ereignisslos, die Hügel wurden langsam flacher, die Anzahl der Bäume nahm langsam ab, es wurde also so langsam Kansas-typisch. Dazu war es heiß und trocken, 91°F hab ich an so'ner Leuchttafel gelesen, das ist dann schon langsam zu warm zum Radfahren. Um das zu verbildlichen: ich habe nicht aus Durst getrunken, sondern um Mund & Rachen feucht zu halten, ansonsten wurde es schmerzhaft. Wie sich das für so einen Tag gehört sind natürlich auch irgendwann meine Getränke zur Neige gegangen ohne das ein Ort in der Nähe war. Ist auch mal lustig, wenn man sich Schlucke nach Meilen aufteilt. War aber meine eigene Schuld weil ich nicht in 'nem <doofeTankstellenKettederenNameichvergessenhabe> einkaufen wollte - Prinzipien sind schon was tolles. * Als ich dann bei einem Laden ankam hab ich zur Abwechslung mal A&W "Root Beer" gekauft - ich dachte das währe sowas wie Malzbier, aber irgendwie ist das einfach nur Zuckerwasser. Angeblich besteht es aus irgendwelchen Kräuter & Wurzelauszügen, vom Geschmack her erinnert es aber eher an einen alten Klassiker: "den Schatten einer Kräutermischung über einen Eimer Zuckerwasser geschwenkt.. usw.". * Zurück zum Radfahren. Nach ca 40Mi gab es einen State Park - da es aber erst 1430 war und laut meinem Gedächtniss der nächste nur 10Mi oder so weiter lag bin ich weitergefahren. Erst nach besagten 10 Meilen bin ich dann angehalten und, habe den Atlas herausgekramt und festgestellt, dass ich nochmal mindestens 25 vor mir habe. Das fand ich dann nicht mehr lustig, aber Städte von Motel-Größe gab es nicht und umdrehen wollte ich natürlich auch nicht. Also bin ich weiter gekrochen. * Gegen 1800 kam ich dann auf dem State Park an, hab mein Zelt aufgebaut und bin erstmal schwimmen gegangen. Ja - hier gab es endlich mal einen Badestrand! Oder eher - eine Badegeröllstelle, hach war das häßlich. Von dem dreckigen Wasser will ich gar nicht erst anfangen. Wer weiß wieviele Kuhendprodukte da so im Jahr drin landen. * Duschen & WC's gab es auch nicht, nur Leitungswasser (und selbst das hab ich erstmal ne halbe Stunde gesucht) und "Vault Toilets" (übersetzt: "Höhlentoiletten", zur Not vielleicht auch "Plumpsklos"), die waren aber unbenutzbar. Und fragt ja nicht warum, ich will mich da nicht dran erinnern! * Bis zum Essen kam ich auch noch ganz gut über die Runden, danach hatte ich ernhaft Probleme mein Zeug ins Zelt zu räumen bevor ich zusammengeklappt bin. Das sind so die Abende wo man gerne Radprofi währe, die haben Pillen und Beutelchen gegen sowas :-). (!Der Hoffentlich einzige Smiley in diesem Tagebuch!) ====== Tag 28 - 04.30.07 ====== **50Mi @ k.a.** * Auf dem State Park bleiben viel aus, also bin ich wieder los. Es war wieder drückend heiß und sehr windig - kein Wetter zum vorwärts kommen, erst recht nicht in meinem Zustand. Eine Wahl wo ich hin fahre hatte ich dann aber gar nicht - der einzige erwähnenswerte Ort auf meinem Weg zurück richtung Trans-Am-Route war Emporio (oder so ähnlich) bei 50 Meilen also hab ich mir da ein Motelzimmer genommen. Die nächste Möglichkeit um Uebernachten währe ein Stadtpark ca 35 Meilen weiter gewesen und da währe ich zum einen nur mit Quälerei hingekommen und zum anderen habe ich immer noch versucht die Stadtparks zum übernachten zu vermeiden - denn bei dem Wetter (heute wieder 90) ohne Dusche in den SSack ist abartig. * Es kann sein, dass die Begriffe gelegentlich durcheinander purzeln: Mit Stadtpark meine ich im allgemeinen das was man sich darunter vorstellt - jetzt kein Englischer Rasen oder so, sondern eine Wiese irgendwo in der Stadt, gelegentlich mit Spielplatz, einem Pool oder anderem Firlefanz. Es gibt aber auch Campingplätze die von Städten verwaltet werden, ähnlich wie County Parks vom jeweiligen Bezirk/County verwaltet werden und natürlich State Parks vom jeweiligen Bundesstaat (wer hätte das gedacht?). Durchblicken muss man da aber nicht unbedingt, das ist nur deshalb interessant weil diese Campingplätze im allgemeinen billiger sind, als die Privaten. Von der Qualität her ist es eher ein Glücksspiel. * Zurück zum Geschehen im originalen Tagestext: //Anstatt die paar restlichen Stunden des Tages (ich war glaube gegen hab vier hier) zum Auszuruhen zu nutzen, war ich so schlau in die Innenstadt zu laufen (locker 2-3 Meilen) um in der Uni-Bibliothek diese Zeilen zu schreiben - toll wa. Und jetzt muss ich echt schlussmachen, denn es sind Gewitter angesagt und ich hab so meine Zweifel, dass ich überhaupt noch trocken zurück komme.// * Ich hatte aber Glück - es fing erst an zu regnen als ich schon fast wieder im Motel war, dort hab ich dann ein Nudel- und ein Reisgericht vom Chinesen nebenan verdrückt und natürlich wieder Fern gesehen. ====== Tag 29 - 01.05.2007 ====== **80Mi @ 9h** * In dem Motel schlief es sich recht doof, es gab kein Fenster zum aufmachen und die typischen Motel-Lüfter kann man nicht allzu lange laufen lassen, denn die sind einfach nur nervig. Es hat natürlich auch nicht geholfen, dass ich heiß gebadet und Wäsche gewaschen hatte, die Feuchtigkeit von der Aktion blieb mir dankend erhalten. * Nachdem ich mir im Frühstücksraum eine Ladung Donuts und eine Ladung Waffeln reingeworfen hatte hing ich noch ein bischen herum und fuhr dann gegen 1030 los. Beim Abmelden an der Rezeption meinte die junge Dame da noch "it may rain on you today", ich glaube "leicht untertrieben" passt dazu ganz gut. * Zur Strecke gibts nicht viel zu sagen - ich bin zunächst eine Weile State Road 50 gen Westen gefahren, dass war natürlich unangenehm mit viel Verkehr und so. Danach bin ich auf Hwy 177 gen Süden abgebogen und später auf eine County Road gen Westen. Von der Landschaft hab ich im Regen nicht viel aufgenommen, aber es war in Kansas also vermutlich sowieso langweilig. * Richtig schlimm war der Regen aber zumeist nicht und mir in dem Moment lieber als die >90°F am Tag zuvor, demzufolge hat das fahren dann v.a. auf der leeren County Road wieder spass gemacht. Geholfen hat natürlich auch das es immer flacher wurde und ich wiedervorwärts kam. Zumindest bis ich den Nagel getroffen habe. * So ein kleines fieses verrostetes ding, das aussah als währe es dafür vorgesehen Fahrräder aufzuhalten. Nicht schön. Also stand ich dann bei strömendem Regen am Strassenrand und habe versucht einen Flicken über das Loch im Reifen zu kleben. //Für die Nicht-Radler: Wenn man ein häßliches Loch im Reifen hat und da einfach einen neuen Schlauch reintut reibt der sich kaputt, man muss also das Loch irgendwie überblenden.// Hat ewig gedauert und bis ich wieder unterwegs war war ich völlig ausgekühlt. <file> Langis Rules of Cycling No 13: NIEMALS ANHALTEN. </file> * Danach hab ich mich dann nur noch 7Mi weiter zu einem County Park geschleppt und mich dort niedergelassen. Der war ganz nett, aber Mückenverseucht. Ich weiß auch gar nicht was die da für Mutantenmücken hatten, die im Regen noch fliegen konnten.


2014/03/18 17:43